Vergleichende
Untersuchung von Mini-BHKW
Das die Kraft-Wärme-Kopplung einen wesentlichen Beitrag
zur Energieeinsparung und damit sowohl zur Ressourcenschonung als auch zur
Verringerung der CO2-Emissionen leistet, ist mittlerweile
unstrittig. Dabei kommt den kleinsten Geräten dieser Art, den sogenannten
Mini-BHKW’s mit einer elektrischen Leistung unter 15 kW, eine besondere
Bedeutung zu, da diese ohne den Aufbau eines Nahwärmenetzes auskommen und damit
in einfacher Weise auch nachträglich zu installieren sind. Zusammen mit der
großen Zahl der möglichen Gebäude, die mit Mini-BHKW’s versorgt werden könnten,
ergibt sich ein enormes Energieeinsparpotenzial, das zudem quasi sofort
abrufbar wäre, da die entsprechenden Geräte zur Verfügung stehen und am Markt
erhältlich sind.
Zur Darstellung und Beurteilung der
Leistungsfähigkeit von Mini-BHKW’s ist an der Hochschule Reutlingen ein vom
BMBF gefördertes Forschungsprojekt (FKZ: 1708303, Laufzeit: 1.11.2003 –
31.5.2005) durchgeführt worden, in dem diese Geräte auf einem eigens zu diesem
Zweck errichteten Prüfstand experimentell untersucht wurden. Dabei waren die in
Deutschland bekanntesten und am meisten verkauften Mini-BHKW’s auf dem
Prüfstand. Im einzelnen sind die Geräte „Dachs“ der Firma SenerTec [1], SOLO
Stirling [2], „ecopower“ der Firma PowerPlus Technologies [3] sowie ein für den
Einsatz von Biogas konzipiertes Stirling-Aggregat der Dänisch Technischen
Universität (DTU) [4] vermessen worden. Damit waren je zwei Ottomotor und
Stirlingmotor-BHKW’s auf dem Prüfstand.
Die Geräte sind unter
verschiedensten heizungstechnischen Randbedingungen betrieben und auf Ihre
Leistungsfähigkeit hin untersucht worden. Wenn möglich wurden
Teillastuntersuchungen vorgenommen, und neben den stationären Versuchen wurden
auch instationäre Messungen durchgeführt, um das An- und Abfahrverhalten der
Anlagen zu erforschen. Ziel der Messungen war die Bestimmung der Leistungsdaten
wie elektrische Leistung und Heizleistung sowie der benötigte
Brenngasenergiestrom. Aus diesen Werten sind der elektrische und der
Gesamtwirkungsgrad berechnet worden. Darüber hinaus erfolgte die messtechnische
Bestimmung der Schadgasemissionen wie CO, NO, NO2 und unverbrannte
Kohlenwasserstoffe CxHy.
Der Prüfstand wird derzeit mit
Erdgas betrieben, und die elektrische Leistung wird in das Stromnetz der
Hochschule eingespeist. Über zusätzlich installierte Frequenzumrichter, kann
die Drehzahl der BHKW’s mit dem Ziel der Leistungsmodulation abgesenkt werden.
Die Heizwärme kann entweder in das Heiznetz der Hochschule eingespeist, in
einem Pufferbehälter gespeichert oder über in Plattenwärmetauscher an Kühlwasser
übertragen werden.

Der Prüfstand ist zudem so
konzipiert, dass alle Messaufnehmer die Genauigkeitsanforderungen für
Zertifizierungsmessungen zum Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ erfüllen. Auf diese
Weise können an dem Prüfstand entsprechende Messungen vorgenommen und die
Geräte nach der Richtlinie zur Vergabe des „Blauen Engel“ für erdgasbetriebene
Mini-BHKW’s [5] getestet werden.
Während der Testphase, die sich für
jedes Gerät auf etwa 150 – 300 Betriebsstunden erstreckte, wurden eine Vielzahl
Daten und Erfahrungen gesammelt. Dabei ist offenkundig geworden, dass die
bereits im Markt befindlichen Geräte „Dachs“, SOLO Stirling und „ecopower“
technisch ausgereift sind. Sie erfüllen die technischen Richtlinien von TÜV,
DVGW und VDEW und besitzen die CE-Zertifizierung. Sie sind schwingungsgedämpft,
schallgekapselt und auf eine hohe Lebensdauer ausgelegt. Damit steht dem
Einsatz in Wohn- und Geschäftsgebäuden anstelle des herkömmlichen Heizkessels technisch
nichts im Wege.
Vergleicht man die Geräte
untereinander, so kann aufgrund der Versuchsergebnisse keine pauschale
Abstufung vorgenommen werden, da die spezifischen Vor- und Nachteile in jeweils
unterschiedlichen Bereichen liegen. Nimmt man die Vorgaben für die Erteilung
des Umweltzeichens „Der Blaue Engel“ als Vergleichskriterium, so ist einzig das
BHKW SOLO Stirling in der Lage, alle Forderungen zu erfüllen, und es ist dem
entsprechend mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet worden.
Alle im Projekt erzielten Ergebnisse
sind in ausführlicher Form in einem Buch veröffentlicht
/6/.
Der Prüfstand steht derzeit für die Vermessung weiterer
Mini-BHKW’s zur Verfügung; parallel dazu wird eine Forschungsprojekt
zum Monitoring von Stirlingmotor-BHKW’s, die mit Bio-, Klär-, Gruben- und
Deponiegas im Feld betrieben werden, durchgeführt.
/1/ Fa. SenerTec, Schweinfurt, www.senertec.de
/2/ Fa. SOLO Stirling, Sindelfingen,
www.stirling-engine.de
/3/ Fa. PowerPlus Technologies, Gera,
www.ecopower.de
/4/ Fa. Stirling.dk, Lygby, Dänemark,
www.stirling.dk
/5/ RAL Deutsches Institut für Gütesicherung
und Kennzeichnung e.V., www.blauer-engel.de, Vergabegrundlage für Umweltzeichen
“Klein-BHKW-Module für gasförmige Brennstoffe”, RAL-UZ 108, Ausgabe Juni 2004
/6/ Thomas, B.: „Mini-Blockheizkraftwerke –
Grundlagen, Gerätetechnik, Betriebsdaten“, Vogel Buchverlag, Würzburg, 2007